Leuchtturm-Projekt „Fontane“ mit Roland Gutsch Project Management Award der GPM geehrt

Kann Telemedizin Leben retten? Bringt eine solche zusätzliche Überwachung von Patienten, besonders in strukturschwachen Regionen, Vorteile – gar eine finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems? Das Projekt „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – Fontane“ hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Fragen zu beantworten. Ein genauer Blick auf den Preisträger des Roland Gutsch Awards 2016 …

Weit mehr als eine Millionen Menschen leiden an chronischer Herzinsuffizienz. Verschlechtert sich die Erkrankung, erkennen Betroffene dies oftmals erst, wenn es schon zu spät ist. Eine Tatsache, die besonders auf dem Land kritisch ist, wo Hausärzte die Herzkranken lediglich „mitbetreuen“.
Abhilfe schaffen könnte ein von Prof. Dr. Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité Berlin, entwickeltes „Frühwarnsystem“: Durch die telemedizinische Erfassung von Gesundheitswerten können Veränderungen erkannt, die Therapie angepasst – und ein teurer Krankenhausbesuch womöglich vermieden werden.
In dem wegweisenden Projekt wurde das Frühwarnsystem im nächsten Schritt an 1200 Patienten getestet. Ist eine Verknüpfung aus ambulanter und telemedizinischer Betreuung genauso gut wie die Behandlung in Metropolen? Die weltweit größte wissenschaftlich randomisierte, klinische Studie soll die Telemedizin in Deutschland entscheidend vorantreiben: „Der hohe wissenschaftliche Aufwand, den Nutzen von Telemedizin nachzuweisen war bisher eine der größten Hürden in Deutschland. Wir sind uns sicher, dass wir den Nutzen nun sichtbar machen können.“, so Köhler.
Täglich erfassen die Studienteilnehmer zu Hause Gewicht, Herztöne und Blutdruck. Ein Gerät übermittelt die Daten automatisch an das Fachpersonal im telemedizinischen Zentrum der Charité, welches die Daten rund um die Uhr überwacht. Bei Auffälligkeiten kann das „ambulante Viereck“ – bestehend aus Patient, Hausarzt, Facharzt und kardiovaskulärem Zentrum sofort reagieren.
Projektmanagement par excellence

Zwei Bundesministerien (BMBF und BMWi), Forschungsinstitute, mittelständische und große Unternehmen, die Charité, die AOK Nordost und die BARMER GEK und ein Team aus verschiedensten Köpfen – das Stakeholdermanagement im Projekt Fontane ist sehr anspruchsvoll: Fontane ist ein hervorragendes Beispiel für exzellente ressortübergreifende Governance von komplexen Projekten. Bis es zu dieser reibungslosen Zusammenarbeit kommen konnte, vergingen 15 Jahre kontinuierlicher Projektentwicklung. In dieser Zeit leisteten Professor Köhler und sein Team nicht nur viel technischen Invest, sondern vor allem viel Überzeugungsarbeit: Denn Ärzte sehen Erhebungen und Evaluationen meist äußerst kritisch. Bei vergleichbaren Projekten waren die Projektleiter durchweg Ingenieure – und scheiterten an den ärztlichen Mentalitäten. Die Wahl eines Arztes als Projektleiter für  Fontane, war deshalb ein Schlüssel zum Erfolg des Projektes. Ebenso bemerkenswert ist die intensive Analyse, die für Prof. Köhler am Anfang stand: „Erst die penible Vorarbeit überzeugte mich, dass ich das Projekt selbst erfolgreich führen kann.“ Zudem sind die vielen verschiedenen Stakeholder – angefangen bei zwei Bundesministerien, verschiedenen Unternehmen und Krankenkassen, eine weitere Herausforderung des Projekts Fontane.

Das Projekt läuft zwar noch bis zum Jahre 2018, doch schon jetzt ist Professor Köhler der Mission „to keep the patient alive and out oft he hospital“ sehr viel näher gekommen. Nicht zuletzt weil dank ihm die Telemedizin zu einem festen Bestandteil der Arztausbildung an der Charité geworden ist.

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